Berichterstattung der Braunschweiger Zeitung/Wolfenbütteler Zeitung und Anzeiger
vom Samstag, 18. August 2007
Von Kai-Uwe Ruf
WOLFENBÜTTEL. Kommunen und Landkreise sollen sich zusammentun und mehr Einfluss auf die Energiekonzerne ausüben. Das schlägt Bertold Brücher vor. Sie sollen ihren Einfluss als Anteilseigner der Unternehmen stärker nutzen, fordert der Sprecher Kreistagsfraktion der Grünen.
Landrat Jörg Röhmann winkt ab. Er hält es für illusorisch, auf der Basis von Aktien-Anteilen als Landkreis gegen einen Weltkonzern vorzugehen: "Man muss sehen, dass man sich realistisch einschätzt."
Anteile an Energieunternehmen in annähernd dreistelliger Millionenhöhe habe der Landkreis Wolfenbüttel, argumentiert Brücher. Wenn sich der Kreis mit anderen Kommunen zusammenschließe, die ebenfalls Anteile besitzen, könne er Einfluss auf die Konzepte eines Energieversorgers nehmen.
Mehr als ein Drittel der Aktien-Anteile an den großen Stromkonzernen seien bundesweit im Besitz von Städten, Gemeinden und Landkreisen, schätzen die Grünen. "Dies bedeutet einen nicht zu unterschätzenden Machtfaktor, den es zum Wohle der Menschen, die ja auch Verbraucher von Strom sind, zu nutzen gilt", schreibt Brücher in einer Presseerklärung. Röhmann widerspricht. Er sieht seine Möglichkeiten als Landrat anders. Einfluss habe er bei dem regionalen Energieversorger Eon Avacon.
Ein Drittel der Avacon-Aktien seien in kommunaler Hand. Der Landrat ist Mitglied des Aufsichtsrats. "Ich vertrete dort regionale Interessen, und ich will, dass die Regionalität erhalten bleibt", sagt Röhmann.
Die Avacon sei aber nur eines von sieben regionalen Eon-Unternehmen. Im Großkonzern sehe sein Einfluss als Landrat daher auch ganz anders aus. Prozentual gerechnet seien die Aktienanteile des Kreises dort minimal. Entsprechend wenig könne die Kommune als Aktionär im Großkonzern ausrichten. "Wenn Eon in Spanien ein Unternehmen kauft, habe ich gar keinen Einfluss", gibt Röhmann ein Beispiel.
Gefordert seien auf dieser Ebene vielmehr die Europäische Union und der Bund. Röhmann: "Was denen nicht möglich ist, können wir nicht als Kommune erreichen."