Bedeutung der Jugendarbeit
Welche Rolle und Bedeutung schreiben Sie der Jugendarbeit in den kommenden Jahren zu? Wo sehen Sie besondere Herausforderungen für die Jugendarbeit?
Die Jugendarbeit soll des den Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ihr Leben in der Gemeinschaft selbst bestimmt zu gestalten. Durch sie soll den Kindern eine Beteiligung an gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen ermöglichen, die ihr eigenes Lebens(um)feld betreffen.
Anerkennung Ehrenamt
Wie wollen Sie das Ehrenamt in der Jugendarbeit zukünftig besonders anerkennen?
Wir können hier im Landkreis Wolfenbüttel bereits auf eine gut ausgebaute "Anerkennungspraxis" schauen: nicht nur der "Tag der Ehrenamtlichen", der sich naturgemäß an alle Ehrenamtlichen richtet und deren Arbeit die Anerkennung ausspricht, sondern auch und insbesondere über Stadt- und Kreisjugendring und die entsprechenden "Pendants" der öffentlichen Verwaltung (Stadtjugendpflege, Kreisjugendpflege) wird viel zur Pflege und Anerkennung dieser Arbeit initiiert: seien es gemeinsame "Danke-schön-Feiern" für die Ehrenamtlichen, seien es Vergünstigungen für Inhaber der JuLeiCa, eine "Saison-Abschluss-Fahrt der Ehrenamtlichen" ... . Aber es steht außer Zweifel und hier gilt: genug ist nie genug - und bereits jetzt in meiner Eigenschaft als Kreistagsabgeordneter halte ich den Kontakt zwischen Jugendarbeit, den Ehrenamtlichen und der Politik.
Berührungspunkte
Welche Erfahrungen haben Sie persönlich in der Jugendarbeit (z.B. als Teilnehmer-in oder Jugendleiter-in)?
Als Kind, noch in einer Großstadt in NRW lebend, suchte ich eine Falken-Kindergruppe auf. Als Jugendlicher, inzwischen aufs "Land" gezogen, war ich im CVJM (Jugendgruppe und Handball).
Herausforderungen für das Bildungssystem
Wo sehen Sie die zentralen Herausforderungen für das niedersächsische Bildungssystem?
Ein Bildungssystem steht und fällt mit dessen Möglichkeit, alle Kindern entsprechend ihren individuellen Fähgkeiten zu fördern. Hier gibt es in Niedersachsen erhebliche Defizite. Oftmals korreliert eine unzureichende Bildung mit der sozialen Herkunft - und hier könnte von Bedeutung sein, dass nach Auskunft des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) 100.000 Kinder in Familien leben, die im ALG-II-Bezug sind. So müssen wir feststellen, dass ein typisches Merkmal des bundesdeutschen Schulsystems gerade die soziale Selektion ist - zwar nicht planmäßig betrieben, so doch aber wissentlich in Kauf nehmend. Von daher ist es (auch) eine zentrale Aufgabe, soziale Selektion zu überwinden, um dem Ziel der umfassenden (Aus-) Bildung entgegen zukommen.
konkretes Ziel
Welches konkrete bildungspolitische Ziel möchten Sie als Landtagsabgeordnete-r als erstes angehen und wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?
Mit meiner Fraktion werde ich sofort nach Einzug in den Landtag beginnen, die niedersächsische Basisschule auf den Weg zu bringen (siehe zur Basisschule, das GRÜNE Landtagswahlprogramm ergänzend: http://www.gruene-niedersachsen.de/cms/parteitage/dokbin/106/106132.auf_jeden_kommt_es_an.pdf)
Ganztagsschule
Welche konkreten Schwierigkeiten sehen Sie zurzeit bei der Kooperation von (Ganztags)Schulen mit Jugendverbänden? Wie wollen Sie hier Abhilfe schaffen?
In meiner Umgebung (Landkreis Wolfenbüttel) gibt es programmatisch (noch) keine Ganztagsschule. Eine Schule (Große Schule) wird es im Schuljahr 2008/09 werden. Wegen der Defizite, die vom Land ausgehen, hat der Kreistag Wolfenbüttel eine Intiative auf den Weg gebracht, die es ermöglicht, schulische Angebote (z.B. Wahl- und Förderunterricht) mit außerschulischen Angeboten, z.B. der Jugendarbeit, des Bildungszentrums (einschl. Musikschule), der Sportvereine und anderer sozialer oder kultureller Einrichtungen im Umfeld der Schule zu verknüpfen. Läuft dies optimal, so können sich Jugendverbände hervorragend einbringen, ein sinnvolles Angebot für die Schülerinnen und Schüler unter eine hervorragende Chance unterbreiten und gleichzeitig für ihre urgeinenen Anliegen werben. Programmatisch werden wir nach der Wahl mit der o.a. Basisschule den Weg hin zur Ganztagsschule beschreiten.
Schritte gegen Kinderarmut
Welche konkreten Schritte gegen Kinderarmut in Niedersachsen wollen Sie daher als erstes in Angriff nehmen?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass alles, was zum Bereich der Schule gehört, von den zuständigen Trägern (Land Niedersachsen, für die Errichtung und räumliche Ausstattung der Schulen die Landkreise und Städte) zu bezahlen ist. "Schule" in diesem Sinne beginnt mit dem Verlassen der elterlichen Wohnung morgens und endet mit dem Zurückkommen am Nachmittag. Alles "dazwischen" muss also von den zuständigen Trägern auch getragen werden - seien es die Kosten der Fahrten hin zur Schule und zurück, seien es die Lehrmittel, seien es ausreichend viele und qualifizierte Lehrerinnen, Lehrer und weitere Fachkräfte, sei es das Mittagessen. All dies gehört zum Zuständigkeitsbereich von "Bildung". Zeigen wir, dass wir es ehrlich meinen damit, dass optimal gebildete und ausgebildete junge Menschen unsere Zukunft sind - und sorgen wir also dafür, dass dieser gesamte Bindungsbereich auch für die Kinder und deren Eltern kostenfrei finanziert wird - ohne Blick auf oder in die elterliche Geldbörse.
Besondere Förderung
Bei welcher Gruppe von "jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf" halten Sie eine stärkere Förderung für besonders notwendig? Wie sollte diese aussehen?
Auch diese Frage beantworte ich mit Verweis auf die Niedersächsische Basisschule (siehe: http://www.gruene-niedersachsen.de/cms/parteitage/dokbin/106/106132.auf_jeden_kommt_es_an.pdf) Jede und Jeder ist ein Individuum und dementsprechend "einzigartig". Befähigen wir alle, in der Gemeinschaft (erst der Klasse, dann der Gesellschaft) sich optimal zu entwickeln, dann wird das Stigma Mitglied einer "Gruppe mit besonderem Förderbedarf" zu sein, verschwinden. Und das ist, zum Wohle aller, erstrebenswert.
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