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ASSE II - nicht nur der GAU des Atommüllentsorgungskonzeptes

ASSE II ist nicht nur in atomkritischen Kreisen als Thema ganz oben - auch die Bevölkerung nah und fern des Höhenzuges Asse im Landkreis Wolfenbüttel sorgt sich zu Recht über die Geschehnisse um das Atommülllager.

Ganz gleich, ob noch irgendetwas dran ist an der Behauptung, es handele sich bei ASSE II ja "nur" um ein Forschungsendlager oder aber die Einlagerung von Atommüll mit der vollen Absicht geschah, unter Umgehung ansonsten schärferer Genehmigungsbestimmungen für eine tatsächliche Endlagerung und nicht zu Forschungszwecken einzulagern:

der Müll ist da,
die Reaktionen im Bergwerk sind nicht (mehr) kontrollierbar,
mehrfache Überschreitungen von Grenzwerten für diverse radioaktive Stoffe mussten
bestätigt werden,
eine Grundwasserkontamination ist nur eine Frage der Zeit .

Es besteht also dringender Handlungsbedarf, die Bevölkerung vor Schäden zu schützen. Und da eine große Gefahr, die aus ASSE II folgt, die Vergiftung des Grundwassers ist, ist nicht nur die umliegende Bevölkerung, sondern sind auch weit entfernt lebende Menschen zu den potenziell Gefährdeten zu zählen. Da die Reaktionen im Berg aber unkontrolliert sind und in der Zeitenfolge dies noch zunehmen wird, reduziert sich für immer mehr Menschen als einzig sinnvolle Vorgehensweise die Variante, den Müll auch tatsächlich zu bergen - und nicht der Hoffnung nach zu laufen, eine sichere Endlagerung unter Tage durch Verschließung des Bergwerkes sei möglich.

Und dies scheint offenbar das große Problem für bundesdeutsche Atombetreiber zu sein. Kommt man zu dem Ergebnis, den Müll wieder zu bergen zu müssen, räumt man ein, dass eine "unwiderbringliche Endlagerung" nicht möglich ist. Sehen wir, dass auch das zweite in Deutschland existierende Atommülllager in Morsleben (nur 25 km von ASSE II entfernt) absäuft, sich dort aber vorbehalten wird, noch nach dem "besten Weg des Umgangs" zu forschen - und auch dieser wohl eher ein nicht endgültiges Verschließen ist - so bedarf es tatsächlich einer neuen, anderen Lagerphilosophie. Denn die Mär vom "endgültigen Verschließen" entpuppt sich als Gespinst, welches realiter nicht zu halten ist.

Der "endgültige Umgang mit dem Atommüll ist aber nicht nur tatsächliche, sondern auch rechtliche Voraussetzung, um Atomstrom, bei dessen Herstellung unweigerlich auch radioaktiver Abfall anfällt , (weiter) betreiben zu können. Ist das Ergebnis also, dass "Endlagerung" nicht möglich ist, so entfällt die notwendige Vorraussetzung, Atomstrom produzieren zu dürfen.

Weiteres Ergebnis des ASSE-II-Skandals ist (einmal mehr?), dass "man den Experten nicht trauen darf". Gerade in der Umgebung dieses Höhenszuges gibt es nicht wenige Menschen, die in den letzten 40 Jahren irgendwann einmal in den ASSE-II-Schacht eingefahren sind - um ihn zu besichtigen. Und immer erklärt worden, wie sicher alles ist, wie gut man alles im Griff hat. Das gilt auch für die Zeit ab 1988, als kontinuierlicher Wassereinfall zu verzeichnen war.

Jetzt, aufgrund zunehmenden Protests und engagierter Arbeit der Nichtexperten aus der Öffentlichkeit, kommt ans Tageslicht, welche Unzulänglichkeiten, Pannen, Vertuschungen und illegalen Praktiken es gab. Nicht einmal die genaue Qualität des radioaktiven und des eingelagerten Materials sei genau bestimmbar, da es keine Unterlagen hierüber gäbe, wird jetzt verlautbart - kaum zu glauben, wenn zu Forschungszwecken eingelagert worden ist. Wie will man forschen, wenn man nicht genau aufzeichnet, welche Stoffe zu Forschungszwecken verwandt werden? Also ist auch diese Behauptung kaum glaubhaft, wie so vieles rund um das Bergwerk und Endlager ASSE II.

Somit birgt ASSE II nicht nur die tatsächliche fast handgreifliche Gefahr der radioaktiven Verseuchung des Grundwassers - sondern die gesamten Geschehnisse haben einer Glaubwürdigkeitskrise in Expertenwissen Vorschub geleistet und haben zudem gezeigt, dass die Atomtechnologie nicht nur, aber auch wegen eines nicht handhabbaren Umgangs mit den Abfällen schleunigst beendet werden muss.


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